Gasbetriebene Fähren kommen der Umwelt zugute

Schärfere Umweltgesetze fördern den Einsatz von Fähren, die mit verflüssigtem Erdgas (LNG) betrieben werden. Norwegen setzt LNG-Fähren im großen Stil ein. Jetzt ist Dänemark an der Reihe. Die M/F Samsø ist auf See. An Bord sind Motoren von Hoyer im Einsatz, die auf der Fähre wichtige Funktionen haben.

Die dänische Binnenfähre M/F Samsø ist die erste Fähre des Landes, die mit Flüssiggas – dem sogenannten „verflüssigten Erdgas“ (LNG) – angetrieben wird. Der Fährtyp ist wesentlich umweltfreundlicher als herkömmliche Fähren, da der Einsatz von Erdgas anstelle von herkömmlichem Diesel bedeutet, dass die Emissionswerte der Fähre bei Schwefel um 90 bis 95 Prozent, bei Stickstoffpartikeln um 80 Prozent und bei CO2 um 20 bis 25 Prozent reduziert werden.

Strengere Umweltanforderungen auf den europäischen Gewässern

Beim beratenden Schiffsarchitektur- und Schiffsingenieursunternehmen OSK ShipTech, bei der die M/F Samsø entwickelt wurde, berichtet der Schiffsarchitekt und Leiter der Abteilung Aarhus der OSK ShipTech, Kristian Careø Lind, von der steigenden Nachfrage nach umweltfreundlichen Alternativen als Folge der strengeren Umweltauflagen.

– „Umweltfreundliche Lösungen wie LNG werden insbesondere infolge der neuen strengeren Umweltvorschriften der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation der Vereinten Nationen IMO gesucht, die zum Jahreswechsel in Kraft getreten sind. Die Regeln schreiben vor, dass die Abgase von Schiffen, die in der Ostsee, in der Nordsee und im Ärmelkanal unterwegs sind, nur 0,1 Prozent Schwefel enthalten dürfen“, sagt Kristian Careø Lind.

Norwegen liegt vorn

Die M/F Samsø ist bei weitem nicht die erste Fähre ihrer Art. Im Nachbarland Norwegen sind mehrere LNG-Fähren in den Fjorden im Einsatz. Derzeit sind 44 Schiffe mit verflüssigtem Erdgas im Einsatz. Davon sind die meisten europäische Fähren – und weitere 34 sind auf dem Weg. Sowohl bei bestehenden als auch bei den geplanten LNG-Fähren besetzt Norwegen souverän den ersten Platz, aber Länder wie Deutschland, Schweden, Finnland, Frankreich, Kroatien und Dänemark schließen langsam auf.

Motoren von Hoyer helfen bei der Öffnung der Bugklappe

Die neue Fähre hat mehr als nur Geschichten über umweltfreundliche Seefahrer zu bieten. An Bord befinden sich nämlich Elektromotoren vom dänischen Hersteller Hoyer, der mehrere explosionsgeschützte Elektromotoren für die Lüftungsanlagen der Fähre geliefert hat – die zum Beispiel im Motorraum und für die LNG-Rohrleitungen eingesetzt werden.

Darüber hinaus hat Hoyer sechs 99-kW-Motoren geliefert, die sich an zwei Hydraulikstationen befinden, die nicht nur beim Öffnen der Burgklappe zum Einsatz kommen, sodass Autos an Bord fahren können, sondern auch dann, wenn die Ankerwinde und die Taue zum Festmachen des Schiffes zum Einsatz kommen.

Gebaut von einer Werft in Polen

Obwohl Hoyer für eine in Dänemark konstruierte Fähre geliefert hat, die in dänischen Gewässern fährt, mussten die Motoren jenseits der dänischen Grenzen montiert werden. Die M/F Samsø wurde von der international anerkannten polnischen Werft Remontowa gebaut, die zuvor bereits 10 LNG-Fähren gefertigt hatte.

– „Dass die Firma Hoyer Motors den Vorzug erhalten hat, liegt in erster Linie an unserer hohen Qualität, unseren Referenzen und unseren Schiffszertifikaten“, sagt Adam Slupinski, Country Manager bei Hoyer.

Er ist Teil des polnischen Teams von Hoyers, das aus sechs Mitarbeitern besteht und vom Büro in Hadsten aus den Kontakt mit den polnischen Kooperationspartnern aufgebaut hat, die jeweils die Lüftungs- und Hydraulikeinheiten hergestellt haben.

Infobox

  • Ab 2015 darf der Schiffskraftstoff nur 0,1 Prozent Schwefel enthalten, wenn ein Schiff die Nordsee, Ostsee oder den Ärmelkanal befährt. Zuvor lag die Grenze bei 1,0 Prozent.
  • Auf globaler Ebene darf Kraftstoff 3,5 Prozent Schwefel enthalten. Ab dem Jahr 2020 wird dieser Gehalt auf 0,5 Prozent reduziert.
  • Kraftstoff mit niedrigem Schwefelgehalt, Schiffsdiesel, ist rund 50 Prozent teurer als der normale Kraftstoff mit hohem Schwefelgehalt.
  • Die Reedereien können sich dazu entschließen, mit Erdgas oder mit Kraftstoff mit niedrigem Schwefelgehalt zu fahren oder einen sogenannten „Wäscher“ einzubauen, der den Kraftstoff von Schwefel reinigt. Alle Lösungen sind für die Reedereien mit erheblichen Investitionen verbunden.

Quelle: Dänischer Reederverband, Ministerium für Umwelt

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