Minus 60 Grad und keine Motorprobleme

Wenn Elektromotoren auf Eisbrechern in arktischen Gewässern eingesetzt werden, müssen sie bei Temperaturen von bis zu minus 60 Grad zuverlässig arbeiten. Um der Aufgabe gewachsen zu sein, wurde Hoyers Marinemotor mit speziell gefertigten Teilen modifiziert und dann in eisiger Umgebung gründlich getestet.

Wenn Eisbrecher, wie das Eskortschiff Aker Arc 130, sich ihren Weg durch zwei Meter dickes Polareis nördlich von Sibirien bahnen müssen, ist Sonderausrüstung erforderlich. Die globale Erwärmung hat die Fahrtrouten um Russland schiffbarer gemacht, dennoch sind die Schiffe in den eisigen arktischen Gewässern immer noch extremen Temperaturen ausgesetzt. Darum war eine besondere Lösung gefragt, als das spanische Unternehmen Fluidmecanica Marinemotoren für die Ankerwinden der robusten Eisbrecher bestellte.

Sonderkomponenten

Hoyer sollte insgesamt 8 Motoren mit 15 bis 37 kW liefern. Die russische Wyborger Werft brauchte Motoren, die bei Lufttemperaturen von bis zu minus 60 Grad Celsius funktionieren. Darum wurden einige wesentliche Bestandteile verändert, damit die Motoren den extremen Temperaturen standhalten können.

„Wir haben unsere Marinemotoren mit speziellen Lagern, Dichtungen und Öldichtungsringen aus Teflon adaptiert. Außerdem wurden sie mit Kühlrippen aus Metall ausgestattet. Die Kühlrippen sind normalerweise aus Plastik, aber bei minus 30 Grad kann der Kunststoff brechen,“, sagt Adam Slupinski, Country Manager bei Hoyer.

24 Stunden in der Klimakammer

Bevor die Motoren ausgeliefert werden konnten, mussten sie einen Kältetest bestehen, um zu beweisen, dass sie der Kälte gewachsen sind. Die Testdokumentation war eine der Bedingungen für die Klassifizierung der Motoren gemäß den Anforderungen des Russian Maritime Register of Shipping (RMRS). Bei der Durchführung der Tests arbeitete Hoyer mit dem Prüfinstitut DELTA zusammen.

„Das Problem in kalter Umgebung besteht gewöhnlich darin, dass bewegliche Teile durch Feuchtigkeit in den Lagern oder gefrorenes Öl blockiert werden. Das ist typischerweise der Fall, wenn der Motor, nachdem er bei extremen Temperaturen ausgeschaltet wurde, wieder angelassen werden soll. Darum haben wir den Motor in eine Klimakammer gestellt, ihn dort ausgeschaltet für 24 Stunden bei minus 60 Grad stehen lassen und dann wieder eingeschaltet. Er arbeitete fehlerfrei,“ sagt Kundenbetreuer Erik Jensen von DELTA.

Schnelle Lieferung

Nach bestandenem Test und Klassifizierung wurden die Motoren an Fluidmecanica geliefert und von dort weiter an die Wyborger Werft als Bauteile für die Ankerwinden. Trotz der notwendigen Sonderanfertigungen und des speziellen Kältetests wurde der Auftrag in Rekordzeit ausgeführt.

„Weil wir in der Lage sind, unsere Motoren umzubauen und zu modifizieren, konnten wir die Motoren schnell für die Tests vorbereiten und in unter 6 Wochen nach dem Auftrag mit bestandenem Kältetest und RMRS-Zertifizierung liefern,“ sagt Slupinski und fügt hinzu:

„Das nächste Mal, wenn wir einen ähnlichen Auftrag bekommen, werden wir noch schneller liefern können, da wir nun schon die Erfahrung, die Testdokumentation und die internen Verfahren haben.“

Fakten über die Ankerwinde

  • Elektrisch betriebene Winde Fluidmecanica M-250
  • Maximale Zugleistung 252 kN

Fakten über den Eskort-Eisbrecher Aker Arc 130

  • Eisbrecher für arktische Gewässer
  • Länge: 122 Meter
  • Breite: 25 Meter
  • Tiefgang: 8 Meter
  • Eisbrechleistung: 2 Knoten in 2 Meter Eis

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